Begriffe im Kontext Schulpraktischer Studien / Schulpraktika (Glossar)

· Analyse
Eine Analyse ist eine systematische Untersuchung, bei der der Untersuchungsgegenstand in einer theoretisch begründeten Methodik in Bestandteile zerlegt wird und diese anschließend entlang begründeter Kriterien geordnet, untersucht und mit Blick auf das zwischen Lernendem und Lehrenden vereinbarte Ziel der Untersuchung ausgewertet werden.

· Akteur
An der aus der Soziologie abgeleiteten Definition wird unter dem Begriff des „Akteurs“ ein im Kontext der schulischen Praktika Handelnder verstanden. Es können sowohl Akteursgruppen (z.B. Lehrkräfte) als auch individuelle Akteure (z.B. Mentor, Hochschullehrender oder Studierender) beschrieben werden. Als Merkmale können bei Akteursgruppen systemische Merkmale von Akteursgruppen oder spezifische Merkmale einer konkreten Gruppe beschrieben sein. Bei Akteuren werden systemische oder individualspezifische Merkmale beschrieben.

· Beteiligte
Beteiligte sind Personen, die indirekt und somit nicht als Akteure in konkrete Situationen eingebunden sind. Sie wirken mittelbar auf Akteure und ihr Handeln ein.

· Befragung
Die Befragung ist eine Forschungsmethode, die dazu dient, systematisch Informationen über Einstellungen, Meinungen, Wissen und Verhaltensweisen von Personen zu gewinnen. Sie erfolgt in der Regel durch Interviews oder andere qualitative Methoden.

· Beobachtung
Die Beobachtung ist die zielgerichtete, aufmerksame Wahrnehmung von Personen, Objekten, Phänomenen und Vorgängen, gegebenenfalls unter Verwendung technischer Hilfsmittel. Die wissenschaftliche, qualitative Beobachtung soll objektiven Kriterien folgen.

· Diagnose
Unter Diagnose wird eine Klassifizierung von Phänomenen zu einer Kategorie und deren Interpretation verstanden. Auf den Bereich von Schule und Unterricht übertragen heißt Diagnose: Bestandsaufnahme bei Personen auf der Basis geprüfter Informationen und valider Kategorien

· Evaluation
Unter Evaluation wird in schulpraktischen Studien die Bewertung von Kontext, Struktur, Prozess, Aufwand und Ergebnis eines oder mehrerer Praktika mit Blick auf das Ziel und den Zweck des Praktikums oder der Praktika verstanden. Dazu werden Daten methodisch erhoben und systematisch dokumentiert, um die Untersuchung, das Vorgehen und die Ergebnisse nachvollziehbar und überprüfbar zu machen. Evaluationen können z.B. Befragungen, Beobachtungen, Tests, Fragebögen oder Materialanalysen sein. Evaluation muss bestimmte Gütekriterien erfüllen: neben der Relevanz und Objektivität sind dies z.B. Reliabilität und Validität.

· Feedback/Rückmeldung
Ein Feedback ist eine intentionale, verbalisierte Rückmeldung an einen Akteur über ihr Verhalten und dessen Wirkung auf andere. Feedback geben sich potenziell gegenseitig alle an Schulpraktika beteiligten Akteure.

· Forschendes Lernen
Forschendes Lernen kann in Schulpraktika als ein didaktisches Prinzip bzw. eine Aktionsform, beschrieben werden, in dem/in der

o die Studierenden selbstständig eine aus dem Kontext Schule relevante Fragestellung oder Hypothese entwickeln oder eine relevante Fragestellung aus Schulen übernehmen,

o mithilfe einer der Fragestellung angemessenen Methode (oder mehrerer der Fragestellung angemessenen Methoden) nach potenziellen Antworten suchen,

o den Forschungsprozess angeleitet selbst gestalten und reflektieren,

o ihre Ergebnisse theoriegestützt diskutieren, aufbereiten und präsentieren.

Studierende durchlaufen einen vollständigen Forschungsprozess.

Forschendes Lernen kann allerdings auch als hochschuldidaktisches Setting betrachtet werden, das bei Studierenden bestimmte Kompetenzen entwickelt. Es lassen sich dabei im Kontext Forschenden Lernens wissenschaftlich-erkenntnisbezogene Kompetenzen, systembezogen-evaluative Kompetenzen oder akteursbezogen-handlungsorientierte Kompetenzen unterscheiden. Ziele können in der Erkenntnis-, Organisations- oder Personalentwicklung liegen.

· Fremdreflexion
Die Fremdreflexion ist im schulischen Kontext eine auf die Selbstreflexion zielende Unterstützung und Beratung durch Dritte (z.B. Mentoren, Hochschullehrende, Mitstudenten) mit dem Ziel der Selbstüberprüfung des Denkens und Handelns in Schule und Unterricht.

· Selbstreflexion
Die Selbstreflexion ist im schulischen Kontext eine auf der Selbst- oder Eigenwahrnehmung stattfindende Überprüfung des Denkens und Handelns in Schule und Unterricht.

· Hospitation
Unter Hospitationen versteht man im Bereich der Schulpraktischen Studien einerseits Besuche im Rahmen schulischer Handlungssituationen (z.B. im Unterricht, beim Elterngespräch, bei einer Konferenz), die die PraktikantInnen bei anderen Personen (LehrerInnen, andere PraktikantInnen) durchführen, andererseits die Besuche durch andere (z.B. Hochschullehrende, Mitstudenten), die anschließend mit der/dem Beobachter/in oder den BeobachterInnen analysiert werden. Fremd- und Selbstreflexion stehen dabei im Vordergrund.

· Kollegiale Beratung
Die Kollegiale Beratung oder Intervision ist im Bereich der Schulpraktika eine Methode, um Lösungen für Fragen im Kontext von Schule und Unterricht zu finden. Entscheidend ist, dass sich Gleichgestellte gegenseitig beraten.

· Kompetenzen
Unter Kompetenzen werden erworbene oder zu erwerbende Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen im Kontext der schulpraktischen Studien verstanden. Als Kompetenzbereiche, denen Kompetenzen zugeordnet sind, werden z.B. in den Bildungswissenschaftlichen Standards Unterrichten, Erziehen, Beurteilen und Innovieren unterschieden. In der Diskussion wird zunehmend zusätzlich auf den Kompetenzbereich der personalen Kompetenzen verwiesen.

· Kooperation
Unter Kooperation wird im Kontext der schulpraktischen Studien das zweckgerichtete Zusammenwirken von Handlungen der Akteure (z.B. Hochschullehrende, Mentoren, Studienseminarleiter und Studierende) zur Erreichung gemeinsamer Ziele im Praktikum verstanden.

· Koordination
Der Begriff der Koordination beinhaltet das aufeinander Abstimmen und Zuordnen verschiedener menschlicher, sozialer, wirtschaftlicher oder technischer Vorgänge, die für die Realisierung von schulpraktischen Studien notwendig sind.

· Lehrerrolle
Die Lehrerrolle beschreibt eine soziale Rolle, die ein/e Lehrer/in innerhalb des Unterrichts und des Systems Schule einnimmt. Sie umfasst Verhaltenserwartungen hinsichtlich der Planung und Gestaltung des Unterrichts sowie hinsichtlich der Beziehung zu den SchülerInnen, den Eltern und im Kontext des LehrerInnenkollegiums.

· Lernaufgaben
Unter Lernaufgaben werden im Kontext der schulpraktischen Studien in der Regel Arbeitsaufträge der Lehrenden an die Lernenden und selbst gestellte Arbeitsaufträge verstanden, mit denen eine Lernerselbsttätigkeit in Gang gesetzt und in Gang gehalten werden soll. Sie zielt auf eine Selbsterschließung von neuem Wissen und Können ab.

· Lernergebnisse
Lernergebnisse sind psychologische Dispositionen oder Repräsentationen aus Lernprozessen, die durch Lernprozesse erzeugt oder verändert worden sind. Solche Disposition können z.B. Kognitionen (Wissen), Werte oder Wahrnehmungen sein und sich im Verhalten und Handeln äußern, sie können über z.B. Arbeitsblätter oder andere Werkstücke dokumentiert sein.

· Lerngelegenheiten
Lerngelegenheiten sind Impulse, in denen Lernen geschehen kann. Sie können in einem situativen Kontext eingebunden sein, oder (z.B. bei Arbeitsblättern oder Montessori-Materialien) zeitlich unabhängig bearbeitbar sein. Im Kontext der schulpraktischen Studien beziehen sich Lerngelegenheiten auf den Kontext Schule. Lerngelegenheiten können dabei in und außerhalb des Unterrichtes formell und non-formell vorhanden sein.

· Mentor/Mentorin
MentorInnen sind in Schulpraktischen Studien Lehrkräfte, die Studierende an der Schule begleiten, Lerngelegenheiten ermöglichen oder schaffen und Unterricht mit den Studierenden gemeinsam planen, bei Studierenden hospitieren und mit ihnen schulische Situationen unter Berücksichtigung ihrer Entwicklung reflektieren und die Rolle und Entwicklung der Studierenden im Kontext Schulpraktischer Studien angemessen beraten und unterstützen.

· Portfolio
Unter einem Portfolio wird in der Regel eine Sammlung von Produkten (z. B. von schriftlichen Leistungen, Bildern, Grafiken, Kunstwerken oder anderen Produkten) verstanden, an denen eine Kompetenzerweiterung oder -entwicklung der Person, die dieses Portfolio anfertigt, sichtbar wird. Dieses Verständnis legt nahe, vorab genau zu definieren, nach welchen Kriterien oder Zielen ein solches Portfolio zusammengestellt werden soll und welche Funktion, z. B. Anlass zur Selbst- und/oder Fremdreflexion (durch Beratung und Betreuung), es haben soll. Es ist also auch danach zu fragen, wie die Produkte verwendet werden. Sie können als aufeinander bezogene Artefakte die Entwicklung der Lernprozesse abbilden oder als Dokumente ohne Bezüge aufeinander einen Blick auf den Entwicklungsstand zum Zeitpunkt der Anfertigung des Artefaktes darstellen. Im Kontext der schulpraktischen Studien bezieht sich das Portfolio auf die Leistungen bei der Vorbereitung, Durchführung und Selbstreflexion der Eindrücke und den Handlungen aus dem Kontext Schule. Das Portfolio hat im Schulpraktikum die Unterstützung der berufsbiografischen Entwicklung der/des Praktikantin/en zum Ziel.

· Praxisforschung
Praxisforschung heißt, dass Praktiker konkrete Probleme, die in ihrer Berufspraxis auftreten, unter Berücksichtigung bestehender Theorien erforschen, mit dem vorrangigen Ziel, das eigene Handeln zu analysieren und hieraus mögliche Alternativen/Lösungen zu entwickeln.

· Schulentwicklung
(Unterrichtsentwicklung, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung)
Unter Schulentwicklung wird der systematische, zielgerichtete, selbstreflexive Entwicklungsprozess der schulischen Prozesse bezeichnet. Schulentwicklung zielt auf die Verbesserung der Qualität der Schule inklusive Personal, Organisation und Unterricht. Schulentwicklung findet in Schulen, Schulnetzwerken und Bildungsregionen statt.

· Schulische Praxisphasen
Schulische Praxisphasen sind Zeitfenster, in denen Schulpraktika vorbereitet werden, stattfinden und reflektiert werden. Die Formen der Vorbereitung, Begleitung und Reflexion sind vielfältig.

· Schulpraktische Studien
Als Schulpraktische Studien werden durch die Hochschule verantwortete Veranstaltungen bezeichnet, die sich aus Praxisphasen (i.d.R. in Schulen, ggf. auch in Microteaching-Situationen und Trainingseinheiten an der Hochschule) und Reflexionsphasen zusammensetzen. Sie beziehen sich explizit auf diese Praxisphasen. In Schulpraktischen Studien kann schulbezogene Forschung stattfinden.

· Schulpraktikum
Als Schulpraktikum wird im engeren Sinne die Anwesenheit eines Studierenden im Berufsfeld Schule verstanden. Im weiteren Sinne wird auch die Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung einem Schulpraktikum zugeordnet.

· Standards
Standards für Schulpraktische Studien zielen im Kern zunächst auf Personen bezogene Standards (eine Person soll eine Kompetenz erwerben oder über eine Kompetenz verfügen) für Schulpraktika ab, können und werden allerdings nicht losgelöst hinsichtlich notwendiger struktureller, organisatorischer sowie personeller Rahmenbedingungen betrachtet, da sie als abhängige Größen verstanden werden. Sie definieren Grundanforderungen für das Gelingen Schulpraktischer Studien.

· Unterricht
Als Unterricht werden thematisch und inhaltlich geplante, initiierte und begleitete Sequenzen des Lehrens und Lernens bezeichnet. Die dienen der Vermittlung und Aneignung und Weiterentwicklung von Haltungen, Fertigkeiten und Wissen.

Das Glossar wird nur in Abständen aktualisiert.
Anregungen und Ergänzungswünsche bitte per Mail an den Autoren, Dr. Jens Winkel (jens.winkel@uni-flensburg.de).